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Die Sauna – ein Ort, an dem man sein kann, wie man ist

Die Welt ist voller Menschen auf der Jagd nach Statussymbolen – in Form der richtigen Kleidung, des passenden Stils sowie Frisur und eines eigenen Autos. Ganz zu schweigen davon, mit den richtigen Leuten gesehen zu werden. Alles, um zu zeigen, dass man selbst erfolgreich ist, jemand, zu dem man aufschauen und den man ernst nehmen kann. Nie zuvor war die Menschheit so besessen von Status.

Doch es gibt Möglichkeiten für eine Verschnaufpause, Orte, an denen man ganz man selbst sein kann. So einer ist die Sauna. Hier wird man nicht nur sauber und schwitzt die Schlacken des Körpers aus. An diesem Ort reinigen wir auch unser Inneres. In einer Sauna kann niemand erkennen, ob man reich oder arm ist, ob man italienische Markenschuhe oder Plastiksandalen vor der Tür trägt. Hier kann man loslassen und man selbst sein. Solche Orte brauchen wir.

In der Sauna trifft man nicht nur auf Menschen außerhalb der eigenen Standesgrenzen. Auch das Geschlecht oder Alter spielen keine sonderlich große Rolle. Eine Sauna ist ein leerer Raum mit nichts außer Bänken und einem Saunaofen. Manche unterhalten sich gern in der Sauna, was wunderbar dort funktioniert. Andere möchten sich nicht nur reinigen, sondern die Sauna auch als sozialen Treffpunkt nutzen, vielleicht gerade, weil man nicht nach der finanziellen Situation beurteilt wird, sondern auf Augenhöhe sprechen kann. Es ist unmöglich zu wissen, ob eine Person, die ein Handtuch trägt, finanziell gut aufgestellt ist oder ob sie Arbeitnehmer, Direktor, Priester oder Arbeitsloser ist. In der Sauna sind wir alle gleich.

Zudem gibt es in einer Sauna nichts anderes zu tun, als sich zu unterhalten, sodass man mit dem richtigen Publikum lange plaudern kann, über vergangene Saunabesuche, interessante Saunagäste oder etwas ganz anderes. In Finnland, wo Sauna eine Religion ist, wurde 2010 der Film „Nackte Männer, nackte Wahrheiten“ gedreht, in dem sich Männer in der Sauna treffen und über Emotionen sprechen. Aber auch Frauen können das! Die finnische Journalistin Anne Hietanen führte in einer Sauna eine ganze Interview-Reihe, bei der sie jedes Mal eine andere Frau zu ihrem Verhältnis zum eigenen Körper interviewte.

Viel und lange zu reden ist für Finnen, die oft als eher still und introvertiert wahrgenommen werden, nicht gerade die typischste Eigenschaft. Schließlich kann man genauso gut ruhig beisammen sitzen und die intensive Hitze genießen, die den Saunagast umhüllt – von dem Moment, in dem man die Sauna betritt, und solange, bis man sie wieder verlässt. Wenn man es nicht möchte, braucht man auch nichts sagen.